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Korbinian Klinghardt – Doktorand an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am Institut für Journalistik: „Ich profitiere jetzt in meiner Zeit als Wissenschaftler und Dozent viel von den Erfahrungen, die ich während meiner Tätigkeit in der journalistischen Praxis gesammelt habe.“

Korbinian Klinghardt, 33, promoviert an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu Innovationen im Journalismus. Im Interview mit hochschul-job.de berichtet er, was ihn am wissenschaftlichen Arbeiten fasziniert, warum es sich für die Promotion lohnt praktische Vorerfahrungen zu sammeln, welche Innovationen den Journalismus in den letzten zehn Jahren maßgeblich bestimmt haben und wie es für ihn nach der Promotion weitergehen soll.

Korbinian Klinghardt – Foto: Anna Zimmermann

Herr Klinghardt, Sie haben vor Ihrer Promotion bereits als Journalist gearbeitet? Wie kam es dazu, dass Sie der Praxis den Rücken gekehrt haben?

Klinghardt: Das kam für meine Kolleg:innen und für mich gar nicht überraschend, weil ich schon immer den Wunsch hatte an der Universität weiterzuarbeiten. Nach meinem Masterabschluss in Regensburg hatte ich mir zwei große Ziele gesteckt, einerseits Journalist zu werden und für eine Zeitung zu arbeiten. Andererseits wollte ich aber auch immer in der Wissenschaft bleiben. Ich hatte Zusagen für beide Möglichkeiten und habe mich für die Praxis und damit für ein Volontariat entschieden. Zunächst einmal aus dem Grund, dass manche Volontariate mit einer Altersgrenze versehen sind. Daher dachte ich, die Doktorarbeit läuft mir nicht davon, ich mache jetzt erst einmal meine klassische Journalistenausbildung und kümmere mich während des Volontariats um ein Thema, das ich dann in der Wissenschaft bearbeiten möchte. Nach dem zweijährigen Volontariat bin ich noch weitere drei Jahre bei der Zeitung geblieben aber der Wunsch wieder in die Wissenschaft zurückzukehren war zu stark. Ich habe mich dann nach Forschungsmöglichkeiten umgeschaut, die mich interessieren und wo meine Kompetenzen als Journalist und Medienwissenschaftler reinpassen. Das alles fand ich in Eichstätt in der Journalistik und da bin ich total froh, dass das damals, ab Juli sind es drei Jahre, geklappt hat und ich wieder zurück in die Wissenschaft gehen konnte.

Was fasziniert Sie so am wissenschaftlichen Arbeiten?

Klinghardt: Ganz viele Dinge! Das kontinuierliche Streben nach Präzision, dass man sich permanent selbst hinterfragt, dass man seine Methodik hinterfragt, dass man die Theorie hinterfragt, die man nutzt, dass man Bücher und Autor:innen hinterfragt und immer kritikfähig sein muss, das alles finde ich spannend. Man nimmt nichts als gesetzt wahr, sondern geht kritisch an Probleme heran und versucht Lösungen zu finden. Großartig am Promovieren finde ich, dass man intellektuell selbstständig arbeiten kann und soll. Man hat sich ein Thema überlegt, man hat sich einen methodischen Zuschnitt überlegt und daran arbeitet man nun. Das ist mein eigenes Projekt, das mit meinem eigenen Fleiß wächst oder eben auch nicht. Man nimmt sich viel Zeit für die eigene wissenschaftliche Arbeit und am Ende der Woche hat man wieder drei oder vier Seiten geschrieben, die eigenen Gedanken sind als Text verbalisiert, man hat etwas Neues geschaffen. Also dieses kritische, ein bisschen freigeistige Arbeiten, diese Selbstbestimmtheit, die man in der Wissenschaft haben kann, das sind Aspekte, die mich in der Wissenschaft faszinieren. Aber eben auch diese absolute Präzision, die man versucht einzuhalten, das ist unfassbar spannend.

Im tagesaktuellen Journalismus, in dem Sie mehrere Jahre tätig waren, ist man jeden Tag mit neuen Themen konfrontiert. Erscheint Ihnen Ihre aktuelle Arbeit da nicht manchmal vergleichsweise monothematisch?

Klinghardt: Ganz im Gegenteil! An der Universität ist mein Arbeitstag jeden Tag neu. Mit jeder Lehrveranstaltung lerne ich neue Menschen kennen, es gibt neue Fragestellungen, die im Kurs gestellt werden, es gibt neue Kolleg:innen, mit denen man zusammenarbeitet, es gibt neue Themen, die man für eine Konferenz vorbereitet, es gibt neue Aufsätze, die man schreibt und so gesehen ist meine Arbeitswoche in der Wissenschaft deutlich weniger planbar als früher. Im Journalismus hatte ich irgendwann meine Handlungsroutinen. Ich habe im Online-Nachrichtenjournalismus gearbeitet und da wusste ich ganz genau um 4.20 Uhr klingelt der Wecker, um fünf Uhr bin ich in der Redaktion. Dann musste ich erstmal prüfen, welche Polizeimeldungen reingekommen sind und was die Agenturen melden. Da entwickelt man relativ schnell eine Routine und in der Wissenschaft ist es aus meiner Erfahrung abwechslungsreicher als damals. Ich tue mich schwer diese beiden Arbeitsfelder zu vergleichen, weil mir beide Arbeitsweisen, beide Berufe, die sehr verschieden sind, unfassbar viel Spaß gemacht haben und ich aus beiden sehr viel gelernt habe.

Helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie als Journalist gesammelt haben, heute für die Arbeit als Wissenschaftler?

Klinghardt: Ja, ich profitiere jetzt in meiner Zeit als Wissenschaftler und Dozent viel von den Erfahrungen, die ich während meiner Tätigkeit in der journalistischen Praxis bei der Zeitung gesammelt habe. Ich bin meinem Verlag und meiner Zeitung dankbar, dass ich dort so viele großartige Erfahrungen mitnehmen konnte. Gerade in der Journalistik hilft es, wenn man die andere Seite kennt, also wenn wir uns nicht nur wissenschaftlich mit dem Journalismus beschäftigen, sondern, wenn man auch weiß, wie eine Meldung entsteht oder wie es ist in einer Printzeitung diesen Andruckdruck zu haben und einen Text schnell fertig stellen zu müssen. Oder wie ist es einer Online-Community ausgesetzt zu sein, die manchmal schwierig zu moderieren oder schwierig zu händeln ist? Das sind alles Dinge, mit denen sich die Kommunikationswissenschaft auseinandersetzt, und ich kenne sehr viele Themen davon aus der Praxis. Ich glaube, wenn man sich das Ziel einer rein wissenschaftlichen Karriere steckt, dann hat es auch Vorteile, nahtlos von Bachelor, zum Master zur Promotion überzugehen, weil man nochmal mehr in der Literaturrecherche und im wissenschaftlichen Arbeiten drin ist. Da musste ich mir natürlich wieder vieles aneignen, weil ich fünf Jahre lang in der Praxis war. Aber ansonsten für das Fach, das ich jetzt betreibe, ist ein Praxisaufenthalt hilfreich.

Korbinian Klinghardt über sein Forschungsprojekt und Innovation im Journalismus

Womit beschäftigen Sie sich im Rahmen Ihrer Forschung aktuell?

Klinghardt: Ich bin an einem Forschungsprojekt beteiligt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und unterstützt wird und das hat den Titel „Journalism innovation in democratic societies“ trägt. Das Team besteht aus einem Forscher:innenverbund aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, England und Spanien. Wir verfolgen das gemeinsame Ziel herauszufinden, was die wichtigsten Innovationen im Journalismus im Zeitraum von 2010 bis 2020 waren und wie sich diese Innovationen auf die Qualität der Berichterstattung ausgewirkt haben. Zudem untersuchen wir, ob es bestimmte Faktoren in den Mediensystemen oder in der Medienpolitik gibt, die die Implementierung von Innovationen in den verschiedenen Ländern fördern. Ist die Innovationskultur in Spanien vielleicht eine andere als die in Deutschland? Das ist das Rahmenprojekt. In meiner Doktorarbeit geht es dann speziell um einen Aspekt, den wir so im Projekt noch nicht abgedeckt haben, nämlich um die Frage, wie Rezipient:innen diese Innovationen wahrnehmen. Wir wissen aus Interviews mit Expert:innen, was die bestimmenden Innovationen sind und mich interessiert nun, ob das von den Rezipient:innen wahrgenommen wird und, ob diese aus Sicht des Publikums einen Beitrag zur journalistischen Qualität leisten. Eine Innovation im Journalismus ist zum Beispiel die Arbeit in Rechercheverbünden. Ich untersuche nun, ob Zeitungsleser:innen den Eindruck haben, dass beispielsweise die Aufarbeitung der Panama Papers durch einen Rechercheverbund zu einer Verbesserung des Journalismus geführt hat.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Forschung für die Zukunft des Journalismus?

Klinghardt: Ich glaube, dass man diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis zurückspiegeln und feststellen kann, ob die Innovationen der letzten zehn Jahre registriert wurden oder eben nicht. Darauf aufbauend kann man hinterfragen, warum bestimmte Angebote und Produkte nicht rezipiert und wahrgenommen werden und daraus wiederrum Lösungsvorschläge mit Praktiker:innen oder Vertreter:innen aus der Medienpraxis erarbeiten. Das ist das langfristige Ziel der Ergebnisse meiner Dissertation.

Wie ist das Forschungsprojekt konzipiert?

Klinghardt: In der ersten Teilstudie des Projektes haben wir mit Expert:innen gesprochen, um herauszufinden, was die Innovationen im Journalismus sind. Dazu haben wir das Sample untergliedert in medienschaffende, medienbeobachtende und medienbewertende Akteur:innen. Für jedes Land wollten wir ungefähr 20 Personen befragen. Die Datenerhebung fand von Dezember 2019 bis April 2020 statt. In diesem Zeitraum haben wir Interviews mit den ausgewählten Expert:innen geführt, jedes Land für sich, und haben aus diesen Interviews die Nennungen von Innovationen herausgezogen. Diese Erkenntnisse haben wir wiederrum qualitativ untersucht und auf Basis der Erklärungen dann eine Systematisierung erarbeitet. Das heißt, wir haben versucht genannten Innovationen zu clustern und uns so übergeordnete Kategorien für die einzelnen Nennungen der Expert:innen zu überlegen. Diese Kategorien sind bewusst relativ weit formuliert, weil wir versuchen müssen die über 1.000 Nennungen, die wir bekommen haben, aus allen fünf Ländern unter einen Hut zu kriegen.

Wie gefällt Ihnen die Zusammenarbeit mit einem international aufgestellten Forschungsteam und wie organisieren Sie die Arbeitsabläufe über Ländergrenzen hinweg?

Klinghardt: Das macht unfassbar viel Spaß! Corona hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass wir uns noch nicht so oft live treffen konnten. Aber vergangenes Jahr haben wir uns in Elche in Spanien getroffen. Das war natürlich großartig die ganzen Wissenschaftler:innen vor Ort zu sehen und sich persönlich kennenzulernen. Ansonsten nutzen wir Online-Tools. Wir organisieren alles über Microsoft Teams und auch über WhatsApp sind wir in engstem Kontakt. Die Projektarbeit macht unfassbar viel Spaß, weil wir fachlich und menschlich einfach hervorragend miteinander klar kommen. Unsere Chef:innen, die Teamleader, sind jahrzehntelange Weggefährt:innen und diese Positivität und Gelassenheit wirkt sich auf uns alle aus. Wir haben tatsächlich Ende dieser Woche ein Meeting in Eichstätt. Da kommen alle für einen zweitätigen Projektworkshop zu uns an die Universität.

Was sind denn bestimmende Innovationen im Journalismus, die sie bisher identifizieren konnten?

Klinghardt: Eine Innovationskategorie heißt „engagement on the basis of data“. Die bündelt alle Bemühungen seitens der Medienunternehmen sich mit Nutzer:innendaten auseinander zu setzen, um Angebote zu verbessern. Eine zweite wichtige Thematik ist der „collaborative investigative journalism”. Das umfasst Rechercheverbünde, Netzwerke und allgemein die Kollaboration zwischen verschiedenen Medienhäusern zur gemeinsamen Recherche. Diese Arbeitsweise hat in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Aufschwung erfahren, wenn man sich zum Beispiel den Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung anschaut oder auch Correctiv (Correctiv ist ein stiftungsfinanziertes Recherchezentrum – Anmerk. Red.). Darüber hinaus haben wir Innovationen im Bereich von Monetarisierung oder Kommerzialisierung entdeckt. Viele Expert:innen sagen, dass die pay-wall für den Online-Journalismus eine ganz wichtige Innovation ist, weil diese pay-wall die Abkehr von der Gratismentalität geschaffen hat. Auch andere Finanzierungsformen, wie Stiftungsfinanzierung oder Crowdfunding spielen an dieser Stelle eine Rolle. Ganz spannend ist des Weiteren die Innovationskategorie „Satire“. Es wurde häufig genannt, dass wir eine Art Entgrenzung des Journalismus erleben, dass man also gar nicht mehr klar zwischen reiner Unterhaltung und journalistischen Beiträgen differenzieren kann. Wir haben das jetzt zum Beispiel beim ZDF Neo Magazin Royal und dem Beitrag zu Fynn Kliemann gesehen. Meiner Meinung nach ist das guter investigativer Journalismus aber da verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen journalistischer Arbeitsweise und dem Anspruch auf Unterhaltung.

Was fasziniert Sie an Ihrer Forschung am meisten?

Klinghardt: Wir betreiben Grundlagenforschung, weil es bisher kaum empirisches Material zu Innovationen im Journalismus gibt und mich fasziniert, dass wir trotz dessen sehr nah an den Menschen dran sind. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir Elfenbeinturmforschung betreiben, sondern wir beschäftigen uns mit dem was für die Gesellschaft fundamental ist, nämlich Journalismus und der möglichen Verbesserung des Journalismus durch Innovationen. Der Journalismus hat aus normativ-demokratietheoretischer Perspektive eine essenzielle Funktion. Auf einer Meta-Ebene fasziniert mich die Prozessualität jeglicher Forschung, dass man sich immer wieder hinterfragen muss, seine Ergebnisse kritisch durchsieht, seine Methode ab und zu feinjustiert oder den Leitfaden anpasst. Vor eineinhalb Jahren hatten wir das proposal von unseren Professor:innen und wussten nicht wohin die Reise geht. Mittlerweile blicken wir auf große Datensätze, auf jede Menge Interviewmaterial und auf spannende methodische Diskussionen zurück. Da merkt man selbst, dass man sich in diesen eineinhalb Jahren zum Beispiel methodisch extrem weiter entwickelt hat und das ist cool zu sehen.

Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Qualität journalistischer Angebote?

Klinghardt: Qualität im Journalismus ist schwierig zu bewerten, denn was ist eigentlich Qualität? Es gibt dieses geflügelte Bonmot von Stephan Ruß-Mohl (deutscher Medienwissenschaftler – Anmerk. Red.), der sinngemäß gesagt hat Qualität im Journalismus zu messen, sei so schwer wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Mittlerweile hat man Tools und Verfahren entwickelt, mit denen man in der Qualitätsforschung dennoch zu guten Ergebnissen kommen kann. Ich persönlich bin der Auffassung, dass die Qualität im Journalismus hoch ist. Wenn man zum Beispiel das Qualitätsmerkmal Vielfalt betrachtet, lässt sich eine Vielfalt in der Medienlandschaft und eine Vielfalt der Themen feststellen. Ich würde behaupten, dass wir noch nie so viele Möglichkeiten hatten uns zu informieren, wie heute. Es gibt so viele großartige, unfassbar gut recherchierte, seriöse Medienangebote, die aber, meiner Einschätzung nach, noch nicht die Akzeptanz, die Aufmerksamkeit oder die Würdigung erfahren, die sie eigentlich bekommen sollten. Da bin ich gespannt, ob sich dieser Eindruck in meiner Dissertation bestätigen wird.

Aber worin liegt diese fehlende Aufmerksamkeit und Würdigung Ihrer Meinung nach begründet?

Klinghardt: Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, dass die Mediensozialisation eine wichtige Rolle spielt und dass gerade ältere Personen, die seit Jahrzehnten ihre Lokalzeitung lesen, sich schwerer tun den Wandel, der durch die Digitalisierung voranschreitet, mitzugehen und natürlich auch Schwierigkeiten haben Medienangeboten, die speziell Online angeboten werden, zu konsumieren. Gleichermaßen stellt man bei jungen Leuten eine unfassbare Experimentierfreudigkeit und Neugierde fest. Man spürt eine Aufbruchsstimmung im Journalismus und man kann wahnsinnig viel experimentieren. Dass das bisher noch nicht von allen angenommen wurde, ist logisch.

Ein Teil Ihrer Arbeit ist die Lehre von Studierenden. Empfinden Sie diese Aufgabe als angenehmen Ausgleich oder eher als anstrengend?

Klinghardt: Für mich persönlich ist das ein sehr angenehmer Ausgleich, weil man sich in der Lehrveranstaltung dann voll auf das Thema des Kurses, in meinem Fall in diesem Semester die empirische Medienforschung, konzentriert und die Dissertation oder andere Aufsätze mal ruhen lässt. Das ist wichtig und von daher ist es für mich eine wunderbare Ergänzung zu dem, was ich sonst mache. Ich verfeinere ja auch meine methodischen Kenntnisse im Dialog mit den Studierenden oder bekomme mit zu was sie forschen und was sie interessiert. Da bin ich nah dran, an dem was nachkommende Wissenschaftler:innen interessiert. Ich genieße das sehr und es macht mir Spaß mit jungen Leuten zusammen zu arbeiten.

Korbinian Klinghardt über seine Zukunft in der Wissenschaft und was er zukünftigen Doktorand:inn:en rät

Würden Sie Masterstudierenden zu einer Promotion raten? Was sollte man mitbringen, damit eine Promotion gelingt?

Klinghardt: Ich glaube, wenn man Lust auf Wissenschaft hat, Lust hat sich mit einem Problem zu beschäftigen, für das es so noch keine Lösung gibt, wenn man sehr viel liest, wenn man Spaß daran hat sich selbst zu Hinterfragen und am Hinterfragen der anderen hat, dann ist eine Promotion absolut geeignet. Es ist wichtig, dass man auch eine Prise Gelassenheit mitbringt, aber wenn man Freude an der Forschung hat, wenn man Spaß am Schreiben hat, dann ist man gut beraten in die Wissenschaft zu gehen.

Würden Sie den Schritt zur Promotion wieder gehen?

Klinghardt: Ich würde es ganz genauso wieder machen. Ich glaube, ich würde auch wieder erst Praxiserfahrung sammeln und im Journalismus arbeiten, denn da kann man sich schon ein sehr großes Netzwerk aufbauen. Ich bin immer noch mit sehr vielen Kolleg:innen von damals in Kontakt und ich blicke natürlich nun als Journalismusforscher mit einer anderen Sicht auf den Journalismus und auf die Texte, die ich lese.

Haben Sie schon eine Idee wie es nach der Promotion weitergehen könnte? Wollen Sie in der Wissenschaft bleiben oder zieht es Sie zurück in die Praxis?

Klinghardt: Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde, Stand jetzt, sehr gerne weiter in der Wissenschaft arbeiten. Das ist natürlich auch eine Frage der Stellenangebote. Leider sind die wissenschaftlichen Stelle häufig befristet. Die Wissenschaft ist sehr schwierig zu planen, deshalb braucht man immer einen Plan B und sollte sich zumindest gedanklich ein paar Optionen offenhalten. Wenn ich keine weitere Anstellung in der Wissenschaft bekomme, gehe ich zurück in die Praxis. Das wäre auch nicht schlimm, denn es gibt in der Praxis ebenfalls spannende Aufgaben, die ich mir zutrauen würde und die mich interessieren. Aber aktuell bin ich in der Wissenschaft sehr glücklich und würde auch sehr gerne in der Wissenschaft bleiben wollen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren unabhängig von begrenzten Stellenangeboten?

Klinghardt: Abseits des Berufs natürlich glücklich und gesund! Ich kann mir sehr gut vorstellen für lange Zeit an der KU (Katholische Universität – Anmerk. Red.) in Eichstätt-Ingolstadt zu arbeiten, weil die Arbeitsatmosphäre hier sehr angenehm ist. Wir sind eine kleine Universität, wir haben weniger Studierende im Vergleich zu großen Universitäten wie München oder Berlin und deswegen ist das Betreuungsverhältnis hier spannend. Man begegnet den Studierenden mehr auf Augenhöhe als an großen Instituten und ich habe ein wahnsinniges Glück mit den Kolleg:innen, die hier arbeiten, deswegen würde ich die gerne alle behalten und gemeinsam in Eichstätt weiterforschen. Gleichwohl ist es im akademischen Bereich gerne gesehen, dass man sich weiterentwickelt und andere Universitäten kennenlernt. Sowas bringt einen persönlich nur weiter. Ich habe durch den Wechsel von der Zeitung zur Universität gemerkt, dass ein Wechsel immer gut tut. Da könnte ich mir München oder Passau in Niederbayern oder Regensburg gut vorstellen. Ich glaube, das wären so die Top-Städte, in denen ich es mir sehr gut vorstellen könnte zu leben und zu arbeiten.

Wenn Sie gerne in der Wissenschaft bleiben wollen, wäre dann auch irgendwann eine Professur eine Ziel für Sie?

Klinghardt: Ja, ich stelle mir das als total spannende Herausforderung vor selbst einen Lehrstuhl zu leiten und Mitarbeiter:innen zu haben, mit denen man gemeinsam Forschungsprojekte an Land zieht. Das ist eine unheimlich aufregende Aufgabe, weil man in der Wissenschaft frei ist und eigene Impulse setzen kann oder Forschung vorantreiben kann, die einen interessiert.

Das Gespräch führte Redakteurin Carolin Heilig am 16.05.2022.

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