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Lara Keicher – Doktorandin am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie: „Immer mehr über die Fledermäuse herauszufinden und ihnen dann helfen zu können, das motiviert mich jeden Tag.“

Lara Keicher, 30, promoviert am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell zur Energetik von Kleinsäugern am Beispiel der Fledermausart Großer Abendsegler. Im Interview mit hochschul-job.de verrät Sie, wie die Forschung mit Lebewesen von Statten geht, wie die Stimmung an ihrem Institut ist, ob sie ihre Zukunft in der Wissenschaft sieht, was sie an ihrer Forschung besonders fasziniert und warum Fledermäuse schützenswerte Tiere sind.

Lara Keicher – Foto: Kamran Safi

Frau Keicher, wie kam es zu Ihrer Entscheidung eine Promotion zu machen?

Keicher: Ich habe meine Masterarbeit in der Arbeitsgruppe geschrieben, in der ich jetzt auch meine Promotion mache. Da habe ich bereits einen Einblick in die Themen des Projekts erhalten, an dem ich jetzt arbeite. Tatsächlich habe ich nach meinem Master erst einmal als Tierpflegerin und dann im Öffentlichkeitszentrum MaxCine des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie gearbeitet. Aber ich hatte das Forschungsprojekt immer im Kopf. Irgendwann habe ich dann mit meiner Betreuerin gesprochen und mich dafür entschieden, eine Promotion zu versuchen. Nachdem ich dann auch noch ein Stipendium bekommen habe, war klar, dass ich die Promotion machen werde.

Ist Ihnen der Schritt raus aus der Praxis zurück in die Theorie schwergefallen?

Keicher: Naja, ich würde nicht sagen, dass es ein Schritt zur Theorie war, da ich jetzt während meiner Doktorarbeit auch viel im Feld arbeite und sehr viel Praktisches mache. Es war eher ein Schritt zurück in die akademische Wissenschaft, aber das ist mir nicht schwergefallen, weil ich die ganze Zeit über eng mit der Forschungsgruppe verbunden war. Ich war sozusagen nie ganz draußen.

Woran forschen Sie aktuell genau?

Keicher: Ich forsche am Großen Abendsegler. Das ist eine europäische Fledermausart, die auch hier bei uns in Deutschland vorkommt. Ich untersuche, wie die Tiere ihren Stoffwechsel regulieren und welche Strategien männliche und weibliche Tiere nutzen, um über das Jahr hinweg mit ausreichend Energie versorgt zu sein. Dazu habe ich die Fledermäuse erstmal mittels einer Respirometrie im Labor untersucht. Das ist eine Stoffwechselmessung, die misst, wie viel Sauerstoff die Tiere in einem gewissen Zeitraum verbrauchen. Zusätzlich messe ich für mein Projekt den Herzschlag der Tiere und kann diesen dann mit dem Energieverbrauch in Zusammenhang setzen. Nach der Laboruntersuchung habe ich die Tiere wieder freigelassen. Ein kleiner Sender, der auf dem Fell angebracht ist, liefert weiterhin Daten zum Herzschlag und damit auch zum Energieverbrauch. Das funktioniert ähnlich wie eine Fitness-Uhr.

Haben Sie nennenswerte Unterschiede zwischen den Labor- und den Feldversuchen feststellen können?

Keicher: Genau darüber schreibe ich gerade ein Kapitel. Man sieht tatsächlich, vor allem bei den Männchen, dass sie in bestimmten Fortpflanzungsphasen im Labor Energiesparmechanismen anwenden, die sie im Feld in dieser Zeit überhaupt nicht nutzen. Also da sind klare Unterschiede feststellbar. Das war auch ein Hauptgrund, warum ich die Feldarbeit und die Laborarbeit kombinieren wollte, weil man oft aus dem Labor auf Dinge schließt, die draußen in der freien Natur überhaupt nicht wahr sind.

Wie funktioniert die Forschung mit Lebewesen?

Keicher: Fledermäuse sind sehr scheu. Deshalb arbeiten wir meistens tagsüber mit den Tieren, weil sie da oft wie eine Art kurzen Winterschlaf, genannt Torpor, halten. Der Stoffwechsel ist komplett heruntergefahren. Statt circa 600 Herzschlägen pro Minute, schlägt ihr Herz nur ungefähr zehn Mal pro Minute, die Tiere passen ihre Körpertemperatur der Außentemperatur an und können sich kaum bewegen. So kann man sie einfach aus ihrer Box oder dem Quartier herausnehmen. Das macht es viel einfacher, als wenn man die Tiere in der Dämmerung beim Ausflug aus ihrem Quartier abfangen müsste. Wenn es aber darum ging die Tiere im Feld zu begleiten und Tag und Nacht den Herzschlag zu messen, habe ich auch viel nachts gearbeitet. Da muss man sich ein bisschen dem Rhythmus der Tiere anpassen.

Wie kam es dazu, dass gerade die Fledermäuse zu Ihrem Untersuchungsobjekt wurden?

Keicher: Den Energiesparmechanismus, bei dem Tiere ihren Stoffwechsel komplett herunterfahren, findet man häufig bei Fledermäusen. Unsere Arbeitsgruppe hatte bereits in tropischen Fledermäusen untersucht, wann und mit welcher Strategie die Tiere damit Energie sparen. Ich wollte nun herausfinden, ob auch unsere Europäischen Fledermäuse ähnliche Strategien nutzen und ob sich das im Laufe ihres Fortpflanzungszyklus‘ ändert. Zudem ist der Große Abendsegler eine der größten Fledermausarten in Deutschland, wodurch man etwas mehr Spielraum hat, wenn man die Tiere mit einem Sender bestücken will. Da spielt das Körpergewicht natürlich eine Rolle. Außerdem forscht meine Betreuerin bereits seit über 25 Jahren an Fledermäusen, sodass Vorwissen vorhanden war.

Wie funktioniert dieses Besendern der Fledermäuse?

Keicher: Der Sender wird ins Fell der Fledermäuse geklebt. Das ist ein spezieller Kleber, der sich nach ein paar Tagen wieder auflöst und der Sender fällt dann wieder vom Tier ab. Idealerweise haben wir auch schon Fledermäuse gefangen und den Sender wieder abgenommen. Die Sender können das Muskelpotential vom Herzen messen und wandeln dieses dann in ein Radiosignal um, welches ich mit einem Empfänger und einem Aufnahmegerät aufnehme, sobald ich in Senderreichweite bin.

Arbeiten Sie viel im Team oder vermehrt eigenständig?

Keicher: Während der Feldarbeit ist man meistens im Team, auch aus Sicherheitsgründen. Wenn ich zum Beispiel auf eine hohe Leiter hoch zum Fledermausquartier steige, fühle ich mich besser, wenn unten jemand die Leiter festhält. Auch wenn man die Fledermäuse einfängt, muss man eigentlich immer im Team sein. Das ist allein fast nicht möglich. Wenn es dann ans Daten analysieren und Schreiben geht, ist man erstmal ein bisschen allein mit seinen Problemen aber auch da redet man mit Kolleg:innen, wenn man nicht weiterkommt, oder wenn man Feedback braucht. Also meist ist man eher im Team als allein.

Wie würden Sie die Stimmung in Ihrer Arbeitsgruppe und mit Ihrer Betreuerin beschreiben?

Keicher: Die Stimmung ist super! Es ist sehr locker und man hat alle Freiheiten. Heute arbeite ich zum Beispiel von daheim und morgen gehe ich wieder ins Institut. Also wir sind wirklich flexibel und da ist auch meine Betreuerin locker. Solange sie weiß, dass ich an meinem Projekt arbeite und etwas produziere, lässt sie mir jeden Freiraum und sie selbst nimmt sich den auch. An sich ist es bei uns das Ziel, dass man am Wochenende und an den Feiertagen nicht arbeitet und wir haben ganz normal 30 Urlaubstage im Jahr. Wenn die Feldarbeit ansteht, kann ich natürlich nicht sagen, heute mache ich frei, egal was die Fledermaus jetzt macht, aber das sind nur Phasen, in denen man dann eben auch mal länger arbeitet. Dafür kann man danach auch wieder weniger arbeiten.

Es ist also möglich eine gute Work-Life-Balance zu haben?

Keicher: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich komplett überarbeite. Natürlich macht man was man kann und nutzt jeden Arbeitstag so gut wie möglich. Da kann es dann auch mal sein, dass man bis spät in die Nacht durcharbeitet, wenn man gerade an einer Analyse oder am Schreiben ist. Aber dann beginnt man den nächsten Tag einfach etwas später. Also an sich hat jeder bei uns die Wahl für eine gesunde Work-Life-Balance. Wenn man das will, klappt das.

Ist das ein Privileg Ihrer Arbeitsgruppe oder Standard?

Keicher: Ich glaube, meine Gruppe ist da speziell, weil meine Betreuerin ein sehr gesundes Verhältnis dazu hat, da sie auch ein Privatleben hat und versteht, dass man beispielsweise mal im Urlaub ist. Ich kenne auch Gruppen, auch bei uns am Institut, in denen verlangt wird, dass man auch am Wochenende noch etwas fertig macht. Aber letztendlich denke ich, hat man immer ein bisschen die Wahl. Wenn ich unter der Woche sehr konzentriert und produktiv arbeite, kann ich mir am Wochenende auch frei nehmen. Es würde kein Betreuer/keine Betreuerin sagen, du musst jetzt am Wochenende arbeiten, wenn man unter der Woche schon viel geschafft hat. Natürlich ist Feldarbeit immer eine Ausnahme, weil man da manchmal einfach keine Pause machen kann. Wenn das Tier besendert ist, bleibt der Sender nur eine bestimmte Zeit auf dem Tier und dann tickt die Uhr.

Würden Sie sich Änderungen für das System der Promotion wünschen?

Keicher: Ich glaube, für den PhD ist es okay, so wie es ist. Bei uns am Institut bekommt man mindestens Drei-Jahres-Verträge, die man aber meist ohne Probleme verlängern kann. In Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gibt es Defizite aber vor allem dann, wenn man langfristig in der Wissenschaft bleiben will. Die meisten Post-Docs gehen ein, maximal zwei Jahre, aber man bekommt nie eine längere Anstellung von Beginn an. Das ist dann aber oftmals gerade die Zeit am Ende des PhD oder zu Beginn eines Post-Docs, in der man natürlich über Familie nachdenkt. Man hat einfach wenig Sicherheit in dieser Zeit. Deswegen glaube ich auch, dass sich gerade viele Frauen nach ihrem PhD aus der Wissenschaft verabschieden, weil es einfach nicht so leicht vereinbar ist.

Haben Sie schon entschieden, ob Sie selbst in der Wissenschaft bleiben wollen?

Keicher: Ich tendiere eher dazu die Wissenschaft zumindest teilweise zu verlassen. Meine Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit bei MaxCine hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich diesen Weg gerne weiterverfolgen würde. Eine Verbindung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Forschung wäre perfekt, zum Beispiel an einem Forschungsinstitut, in Museen oder Naturparks. Aber den klassischen Weg, von mehreren Post-Docs zur Gruppenleiterin und irgendwann zur Professur, den sehe ich für mich aktuell nicht.

Was fasziniert Sie an Ihrer Forschung am meisten?

Keicher: Immer mehr herauszufinden, was man noch nicht weiß. Ganz oft passiert es mir, dass ich irgendwas sehe, was die Fledermäuse machen, über das ich gar nicht nachgedacht habe. Je mehr man herausfindet, desto mehr Fragen entstehen und desto mehr lernt man über das Tier. Mir war es schon immer wichtig Forschung für das Tier zu betreiben, also etwas rauszufinden, was dann dem Tier zugutekommt. Die Fledermäuse bei uns fressen ausschließlich Insekten aber die werden immer weniger und das hat dann eine Auswirkung auf die Population der Fledermäuse. Ich finde heraus, zu welchen Zeiten die Fledermäuse besonders viel Energie brauchen und daraus lässt sich ableiten, wann es besonders wichtig ist, dass die Tiere genug Nahrung haben. Dementsprechend könnte man dann gezielt Habitate für die Fledermäuse schaffen. Das Max-Planck-Institut betreibt zwar keine angewandte Forschung, aber die Daten, die wir sammeln, und das Wissen, das wir generieren, können helfen, die Fledermäuse besser zu schützen. Immer mehr über die Tiere herauszufinden und ihnen dann helfen zu können, das motiviert mich jeden Tag.

Warum haben es Ihnen gerade die Fledermäuse so angetan?

Keicher: Es gibt mehr als 1.400 Fledermausarten auf der Welt und jede Art ist perfekt an ihren Lebensraum und ihre Nahrung angepasst und das macht sie für mich so faszinierend. Fledermäuse sind sehr schützenwerte Tiere und keine Bösewichte, wie es in Corona-Zeiten oft gepredigt wurde. Sie leisten uns einen viel größeren Dienst als wir es wahrhaben wollen. Ohne diese Tiere würden wir hier am Bodensee wahrscheinlich vor Stechmücken ersticken. Sie halten die Insekten unter Kontrolle. Aber auch auf anderen Kontinenten tragen sie so viel bei, zum Beispiel in Afrika. Die Flughunde werden beispielsweise „die Gärtner Afrikas“ genannt. Sie sind fruchtfressende Fledermäuse und fliegen tausende von Kilometern. Während des Flugs scheiden sie Samen aus und pflanzen dadurch ganze Baumkolonien. Fledermäuse helfen Ökosysteme in Balance zu halten und sie sind unglaublich gut darin, Viren abzuwehren. Deshalb sind sie so oft Reservoire für Viren. Sie tragen die Erreger zwar in sich, aber werden nicht krank. Man kann so viel von diesen Tieren lernen und ich finde es schrecklich, wenn sie als böse Nachtviecher dargestellt werden. Sie sind einfach unglaublich süß.

Wie steht es denn um die Artenvielfalt der Fledermäuse in Deutschland?

Keicher: Es gibt 25 Fledermausarten in Deutschland. Alle davon stehen unter Artenschutz und viele stehen zudem auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Wenn man auf regionaler Ebene schaut, also zum Beispiel am Bodensee, fällt auf, dass sich die Verteilung der Arten ändert. Die Großen Abendsegler werden bei uns zum Beispiel weniger. Wir wissen aber nicht, ob das vielleicht daran liegt, dass es woanders bessere Jagdgründe gibt und die Tiere deshalb nach Bayern „umgezogen“ sind. Vielleicht hängt es auch mit den Temperaturen oder dem Insektenvorkommen zusammen. Wir kontrollieren regelmäßig unsere Fledermausboxen, die vor 30 Jahren aufgehängt wurden, und stellen fest, dass diese weniger genutzt werden. Grund dafür könnte aber auch sein, dass es wieder mehr natürliche Quartiere, also Baumhöhlen, gibt, in denen die Fledermäuse leben. Wir verstehen einfach sehr viel noch nicht.

Kann man denn schon sagen, wie man die Fledermäuse wieder stärker an den Bodensee zurückholen kann?

Keicher: Da sind wir gerade dran. Wir machen jetzt ein hoffentlich jährliches Insektenmonitoring, um herauszufinden, wie viele Insekten da sind und um dann zu verstehen, wieso mehr oder weniger Fledermäuse zu bestimmten Monaten, zum Beispiel im Sommer, da sind. Aber es gibt natürlich Dinge, die man schon jetzt für die Fledermäuse tun kann. Wenn man alte Wälder stehen lässt, hilft das der Artenvielfalt unglaublich, weil da bereits perfekte Ökosysteme bestehen. Wenn diese Gebiete einfach ungestört sein dürfen, wird dort auch die Biodiversität wieder höher. Große Wiesen mit vielen verschiedenen Pflanzenarten sollte man ebenfalls stehen lassen. Da steigen viele Insekten hoch und das ist ein gutes Jagdhabitat für Fledermäuse. Unsere Großen Abendsegler machen es schlau, die jagen meist über dem See. Da sind wohl sehr gesunde Insekten und die fressen sie gerne.

Warum lohnt sich eine Promotion gerade an einem Max-Planck-Institut?

Keicher: Es gibt am Max-Planck-Institut eine sehr gute Graduiertenschule, die International Max Planck Research School und dadurch hat man viel Kontakt zu internationalen Wissenschaftler:innen. Durch internationale Kooperationen und Feldarbeit in anderen Ländern hat man die Möglichkeit auch außerhalb von Deutschland spannende Erfahrungen zu sammeln. Generell bereichert es das Leben einfach unglaublich, wenn man mit so vielen verschiedenen Kulturen und Menschen zusammenkommt. Natürlich hat man am Max-Planck-Institut einen großen Spielraum für die Forschung. Ich habe noch nie etwas für meine Forschung benötigt, es dann aber nicht bekommen. Man hat sehr gutes Equipment, man hat sehr gute Unterstützung und natürlich auch sehr gute Wissenschaftler:innen um sich herum, die einem Wissen vermitteln. Da ist ein reger Austausch auch zwischen den einzelnen Forschungsgruppen. Bei uns sind es relativ kleine Gruppen, die auf bestimmte Aspekte spezialisiert sind, und da kriegt man überall etwas mit und wird an jeder Ecke für die eigene Forschung inspiriert.

Würden Sie eine Promotion grundsätzlich weiterempfehlen?

Keicher: Es ist eine unglaublich gute Erfahrung. Während der Promotion betreibt man ja nicht nur Forschung. Man lernt Projektmanagement, wie man Studierende betreut, wie man seine Arbeitszeit strukturiert oder wie man Präsentationen hält. Also einfach die ganzen Dinge, die nebenherlaufen aber sehr wichtig sind. Ich glaube, diese „soft skills“ zählen auch dann unglaublich viel, wenn man sich später entscheidet, nicht in der Wissenschaft zu bleiben. Ich habe es nie bereut, dass ich einen PhD angefangen habe und habe auch nie ernsthaft darüber nachgedacht aufzuhören. Vielleicht, wenn ich damals ein festes Jobangebot gehabt hätte, hätte ich mir den Schritt zur Promotion nochmal überlegt. Aber wenn man an einem Projekt interessiert ist und sich selbst organisieren und managen kann, finde ich einen PhD wirklich perfekt. Da findet man auch heraus, was man will, wohin man will und worin man gut ist.

Wie lange dauert Ihre Promotion noch?

Keicher: Mein derzeitiger Vertrag läuft Ende August aus. Oh Gott, das ist bald! Bei uns ist es aber so, dass wir durch Corona ein bisschen mehr Zeit haben. Also keiner wird mich Ende August rauswerfen. Ich kriege wahrscheinlich nochmal ein paar Monate Verlängerung. Im nächsten dreiviertel Jahr werde ich wohl fertig sein.

Und welche konkrete Arbeitsschritte stehen in dieser Zeit noch an?

Keicher: Ich brauche auf jeden Fall noch eine Erstveröffentlichung. Das ist eines der Kriterien, damit man die Doktorarbeit abschließen kann und da bin ich tatsächlich heute dran wieder ein Paper einzureichen. Ich hoffe, dass das bald veröffentlicht wird. Ich werde meine Doktorarbeit kumulativ einreichen. Das heißt, ich gebe meine einzelnen Veröffentlichungen gesammelt ab, verbunden mit einer allgemeinen Einleitung und einer allgemeinen Diskussion. Zum Schluss kommt dann noch die Verteidigung aber die wird wohl erst im kommenden Sommer stattfinden, da die Prüfer:innen zwischen Abgabe und Verteidigung einige Monate Zeit haben, um die Arbeit anzuschauen und zu bewerten. Ich hoffe, dass zu meiner Verteidigung wieder eine Präsentation in Person vor den Prüfer:innen und der Öffentlichkeit möglich sein wird, an der dann auch meine Familie und Freund:innen teilnehmen können.

Wie werden Sie diese Zeit zwischen Abgabe und Verteidigung nutzen?

Keicher: Da haben wir beim Max-Planck-Institut eine schöne Einrichtung, die nennt sich „wrap-up-Zeit“. Man bekommt nach Abgabe der Arbeit nochmal ein halbes Jahr Zeit, um Kapitel der Arbeit zu veröffentlichen und seine Projekte abzuschließen.

Wo sehen Sie sich selbst in fünf bis zehn Jahren?

Keicher: Beruflich sehe ich mich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit. So viel von der spannenden Forschung, die wir betreiben, dringt nicht an die Öffentlichkeit und ich finde, es muss viel mehr Leute geben, die das nach außen tragen. Es sind Steuergelder, die wir benutzen, also sollte auch jeder/jede davon profitieren. Natürlich hoffe ich, dass meine Anstellung dann die Vereinbarung von Job und Familie zulässt, weil in fünf bis zehn Jahren habe ich dann vielleicht auch Kinder.

Das Gespräch führte Redakteurin Carolin Heilig am 11.05.2022

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